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Als Unternehmer eigene Werte sehen

Fleischermeister Burkhard Müller aus Erndtebrück wollte im Urlaub zunächst nur "etwas Sinvolles machen"


von Hubertus Kost

Senden/Erndtebrück. Als klassische Unternehmensberater sehen sich Ralf Lohe und Manfred Rumi aus dem münsterländischen Senden nicht. Ihre Beratung hat einen anderen Ansatz: Der Unternehmer soll seine eigenen Werte erkennen und sein Unternehmen danach ausrichten. Fleischermeister Burkhard Müller aus Erndtebrück und Bäckermeister Karsten Krüger aus Löhne haben Ihre eigenen, positiven Erfahrungen mit "Pluspunkt" gemacht.

Offenheit, Vertrauen, Verantwortung - "das steckt in den meisten Betriebsinhabern drin", wissen Lohe und Rumi aus langjähriger Erfahrung als Trainer für Führungskräfte. Vielen sei dieses Potenzial aber nicht bewusst, "und deshalb entwickeln wir es." In Seminaren mit wenigen Teilnehmern geht es den beiden Inhabern der Firma Pluspunkt zunächst darum, das Selbstvertrauen und die Kommunikationsfähigkeit ihrer Kunden zu stärken. Erst später - bei der Begleitung im betrieblichen Alltag - werden Fragen der klassischen Unternehmensberatung beantwortet. Dabei stehen je nach Bedarf weitere Partner zur Verfügung.
Die Kunden sind überwiegend Handwerksunternehmer mit Betrieben in einer Größenordnung von 10 bis 200 Beschäftigten. Dazu gehört Karsten Krüger aus Löhne. Der Junior-Chef der Bäckerei "Karlchen's Backstube" mit 28 Filialen will vor allem die Eigenverantwortung seiner 160 Mitarbeiter förden. Sein erstes Pluspunkt-Seminar hat ihm dazu wichtige Anstöße gegeben. Und zwar zunächst für sich selbst, denn, so erläutert der Bäcker und Betriebswirt: "Ich habe gelernt, intensiv über mich nachzudenken und auch das eigene Handeln infrage zu stellen."
Daraus entwickelte Karsten Krüger neue Gedanken über sein Unternehmen und neues Handeln. Die Strukturveränderung des handwerklichen Familienbetriebes vom aufgabenbezogenen zum ergebnisorientierten Führungsstil ist dafür ein Beispiel. Viele intensive Gespräche hat Karsten Krüger auf diesem Weg geführt, auch seine leitenden Mitarbeiter haben inzwischen Führungsseminare bei Pluspunkt besucht. Seine Erfahrung: Positives Denken ist ebenso erlernbar wie übertragbar.
Ein solcher Prozess komme im betrieblichen Alltag aber erst in Gang, wenn Unternehmer und
Führungskräfte selbst positiv denken und - so wie Karsten Krüger - das auch mitteilen, betont Ralf Lohe. Motivation und Kommunikation sind deshalb Schwerpunkte des Einstiegsseminars bei Pluspunkt, das die beiden Trainer auf Fuerteventura anbieten. Damit schaffen sie eine entspannte Atmosphäre weg vom Alltag und zugleich etwas Urlaubsgefühl.
Davon fühlte sich auch Burkhard Müller angesprochen, der "im Urlaub etwas Sinnvolles machen" wollte: Vor zwei Jahren nahm der Fleischermeister aus Erndtebrück an seinem ersten Seminar auf der Kanaren-Insel teil. Dabei habe er gelernt, sich in seinem Betrieb aus der Funktion des produktiv tätigen Handwerksmeisters zu lösen und mehr Führungsverantwortung zu übernehmen. Bei 65 Mitarbeitern und sieben Verkaufsstellen nehme diese Aufgabe zu, betont Müller.
Den Betrieb hat der 39-jährige Handwerksunternehmer, der auch im Vorstand der Fleischer-Innung Siegen-Wittgenstein mitarbeitet, von seinen Eltern übernommen. Die Übergabe wurde von Pluspunkt begleitet, denn über die Seminare hinaus bieten Lohe und Rumi auch individuelle Beratung an und vermitteln dabei sachkundige Partner zum Beispiel zu speziellen betriebswirtschaftlichen Problemen. So arbeitet Pluspunkt unter anderem mit der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk und mit einigen Handwerkskammern zusammen.
Pluspunkt legt großen Wert darauf, zu allen Kunden auch ein persönliches Verhältnis aufzubauen. Daraus entwickeln sich Gespräche, die weit über betriebliche Themen hinausgehen. "Auch im privaten Bereich können wir häufig Hilfestellung leisten," betont Rumi.
Positives Denken im privaten Umfeld sehen die beiden Trainer deshalb auch als Erfolgsfaktor für unternehmerisches Handeln. Karsten Krüger formuliert das so: "Ich kann über alles klagen - oder ich mache mir meine eigene Konjunktur." Der 33Jährige hat sich erfolgreich für die zweite Variante entschieden: "Karlchen's Backstube" verzeichnet für 2003 das "wirtschaftlich beste Jahr seit zehn Jahren". Dafür hat sich Karsten Krüger, der das Unternehmen nach dem geplanten Generationswechsel im Jahre 2005 gemeinsam mit seiner Schwester Simone Böhne weiterführen wird, auch selbst fit gemacht: Seit seinem ersten Pluspunkt-Seminar verringerte er sein Gewicht um 30 Kilogramm.


Deutsches Handwerksblatt
Ausgabe Südwestfalen vom 19.02.2004
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