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"Bei uns hat sich durch die
Schulung einiges getan"
Gespräch mit Melitta
und Martin Lorenz zum Thema Coaching im Unternehmen
Mitarbeiterschulungen gehören in jedem Unternehmen
mittlerweile zur Tagesordnung. Ob der Manager einem
Trainingsprogramm unterzogen wird, entscheidet nicht
selten über Erfolg oder Misserfolg im Geschäftsleben.
Aber ist so ein Coaching für einen handwerklichen
Betrieb, speziell für einen mittelständischen
BackBetrieb sinnvoll? Unsere Zeitung sprach mit Melitta
Lorenz, Geschäftsführerin von "Lorenz
Victorbur" in Aurich, deren Wahrzeichen die stolzen
Wikinger sind, und ihrem Sohn Martin, sowie Trainer
Manfred Rumi über die Chancen und Möglichkeiten
wirklich professioneller Schulung.
| ABZ:
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Sie haben nun eine Schulungsstaffel in Ihrem Haus
hinter sich. Backen Sie nun bessere Brötchen? |
| Melitta Lorenz: |
Ich hoffe, dass wir immer noch die selben guten
Brötchen backen, die wir schon vorher gebacken
haben. Nur verkaufen wir sie jetzt vielleicht etwas
freundlicher. |
| ABZ: |
Der ganze Aufwand und die Kosten für etwas
mehr Freundlichkeit? |
| Melitta Lorenz: |
Ja und nein. Freundlichkeit ist ein überzeugendes
Verkaufsargument. Aber viel wichtiger ist, dass
sich durch das Seminar etwas in den Köpfen
der Mitarbeiter getan hat. Die Freundlichkeit ist
nur einer von vielen Effekten. Auch die Einstellung
untereinander zählt. |
| ABZ: |
Setzen Sie schon immer auf die Fortbildung der
Mitarbeiter? |
| Melitta Lorenz: |
In unserem Haus gibt es eine lange Schulungs-Kultur.
Wir engagieren oft Trainer, die das Personal weiterbilden.
Der Weg von Pluspunkt schien uns neu und durchaus
probierenswert. Und es hat sich gezeigt, dass es
sich lohnt, diesen Weg über Coaching und Mitarbeitermotivation
zu gehen. |
| ABZ: |
Herr Rumi, gab es keine Komplikationen, wenn sie
versuchten, erfahrenen Bäckern oder Fachverkäuferinnen
ihren Beruf neu zu erklären? |
| Manfred Rumi: |
Wenn ich das gemacht hätte, dann wäre
ich sicher nicht lange bei den Wikingern hier geblieben.
Nein, genau wie ich das Brot nicht neu erfinden
kann und will, sage ich niemandem, was er zu tun
hat. Ich rege an, über sich selbst und den
Betrieb nachzudenken und gebe Hilfestellungen. Das
reicht, um einen Denkprozess auszulösen, der
zu einer Verbesserung führt. Im Kopf des Mitarbeiters
und somit auch im Betrieb. |
| ABZ: |
Ein simples Konzept ... |
| Melitta Lorenz: |
Aber das ist es doch gerade. Ich sag immer, wenn
ich selber etwas nicht verstehe, wie soll dann von
meinen Mädchen verlangen, dass sie es verstehen? |
| Melitta Lorenz: |
Es gab schon einige, die sagten: "Was soll
das denn?" Unser Konditor-Meister sagt jetzt
immer noch, dass er damals nach den ersten Stunden
nur dabei geblieben ist, weil er niemanden enttäuschen
wollte. |
| Melitta Lorenz: |
Und nun wirbt er im Betrieb für die Schulung
und empfiehlt sie weiter. |
| ABZ: |
Können Sie eine Veränderung bei ihren
Mitarbeitern beschreiben? Was ist anders? |
| Melitta Lorenz: |
Unsere Leute sind kritikfähiger geworden.
Sie reden mehr miteinander und nicht mehr übereinander.
Wenn die Filialleiterin ein Problem mit einem Anlieferer
hat, weil der nicht pünktlich liefert, als
Beispiel, dann wird das sofort geklärt, ohne
böse Worte und ohne dass etwas Negatives hängen
bleibt. |
| Melitta Lorenz: |
Auch Generations-Konflikte sind weniger geworden.
Junges Personal mit alter Führung oder eine
neue Filialleiterin mit einem eingesessenen Team,
das hat früher schon mal die Gemüter erhitzt.
Heute wird das Gespräch gesucht, und man schaut,
was kann ich vom anderen lernen. |
| ABZ: |
Kann man den Erfolg der Schulung schon mit Zahlen
belegen? |
| Melitta Lorenz: |
So eine Schulung ist ähnlich wie Werbung
nicht in Heller und Pfennig aufrechenbar. Entweder
man spürt einen Ruck im Unternehmen, oder man
spürt ihn nicht. Und bei uns hat sich einiges
getan. |
Allgemeine Bäcker-Zeitung (ABZ)
Ausgabe 3 vom 17.01.2003 |