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Das Potenzial nutzen
Führung will gelernt sein: Gute Motivation lässt
sich für den Prozess nutzen
Arbeitsgruppen und Abteilungssitzungen stehen oft unter
einem schlechten Stern: Es kommt auf Führungsfähigkeiten
und auf die Regeln der Moderation an, mit denen man
alle Betroffenen zu Beteiligten werden lassen kann.
Das Ergebnis der Diskussion kann von allen geteilt werden.
Das bietet viele Vorzüge. Mitarbeiter zu motivieren,
liegt nicht jedem Vorgesetzten im Blut. Das ist aber
kein Problem. Man kann es lernen. Und das sollte man
auch, wenn man wirklich etwas bewegen möchte. Denn
motivierte Mitarbeiter sind das Kapital eines jeden
Unternehmens. Wer sich schon einmal mit dieser Thematik
beschäftigt hat, weiß, was der Unterschied
zwischen einer motivierten und einer unmotivierten Belegschaft
ist - und wie man diesen beeinflussen kann.
Betroffene werden zu Beteiligten
An erster Stelle steht das Prinzip, die Betroffenen
zu Beteiligten zu machen. Denn jeder, der eine Idee
mit geboren hat, steht für diese auch voll und
ganz ein. Welche Mutter tut nicht alles für ihr
Kind?! Umgekehrt ist im Berufsleben wohl wenig so frustrierend
und demotivierend wie der Moment, in dem man die neueste
Entscheidung aus dem eigenen Unternehmen aus der Zeitung
erfährt. Für den Vorgesetzten bedeutet dies
zwar auch weiterhin vorzu-denken, aber zugleich die
Analysen, Ideenfindungen und Entscheidungen gemeinsam
mit seinen Mitarbeitern zu erarbeiten.
Man erlebt es immer wieder, dass Führungskräfte
alles selbst erledigen wollen - und das auch noch für
klug halten. Angeblich fehlt die Zeit für lange
Diskussionen oder der Mitarbeiter hat nicht genügend
Fachkenntnisse oder ist sowieso komplett inkompetent.
Außerdem müsse es schnell gehen, zack, zack.
Die gleichen Herrschaften beklagen sich dann bitterlich
über unmotivierte Mitarbeiter, die nur ihren Aufgaben
nachkommen und wenig Bereitschaft zeigen, Verantwortung
zu übernehmen. Am liebsten würden sie ihre
Untergebenden alle in einen Sack stecken und draufhauen.
Oder teeren und federn wie im Wilden Westen. So verliert
man nicht nur wertvolle Lebens-, sondern auch Arbeitszeit.
Mitarbeiter, die nichts verantworten, leisten nicht
nur weniger, sondern schaden auch noch dem Image. Sätze
wie: "Da müssen Sie warten, bis der Chef wieder
da ist!" mögen bei einer millionenschweren
Entscheidung auf Verständnis seitens des Geschäfts-partners
stoßen. Bei einer erwünschten Auskunft über
einen Liefertermin der Geheimhaltungsstufe Null aber
eher weniger. Vertrauen ist der Anfang von allem. Und
mit einer gesunden Vertrauensbasis im Rücken lassen
sich offene Diskussionen problemlos und problemorientiert
führen. Eine faire Streitkultur ist essenziell
für jedes Unternehmen.
Damit man
die Motivation der Mitarbeiter besser nutzen,
Vertrauen stärken und damit Angst abbauen,
Mitarbeiter zum unternehmerischen Denken anregen,
Eigenverantwortung der Mitarbeiter weiterentwickeln,
die Wissens- und Erfahrungsressourcen der Mitarbeiter
nutzen und
höhere Leistungen auf freiwilliger Basis
entwickeln
kann, sollte man sich angewöhnen, alles mit den
Betroffenen in einer offenen Besprechungstechnik zu
erörtern. Dies ist Teil der Verantwortung in der
Personalentwicklung. Gleichzeitig ist jede Besprechung,
deren Ergebnis den Aufwand nicht rechtfertigt, verlorene
Zeit. Weitblick und Fingerspitzengefühl sind hier
nötig. Und beides ist erlernbar und stets ausbaufähig.
Das Wissen der Mitarbeiter nutzen
Man sollte vielmehr die Kreativität und das Insiderwissen
der Mitarbeiter nutzen. Gerade auf Gebieten, die Mitarbeiter
stärker betreffen als den Chef, ist deren Ideenreichtum
oft größer als das seine. Das ist gut so
und stellt den Chef keineswegs in Frage. Und nur weil
er das Sagen hat, sollte er nicht immer sprechen. Meetings
und Besprechungen sind beispielsweise häufig effektiver,
wenn der Gesprächsleiter sich so weit zurücknimmt
wie möglich.
Bei allen Problemen, die sachlicher Art sind, hat sich
folgende Besprechungslogik in fünf Schritten bewehrt,
die Pluspunkt auch in Seminaren für Führungskräfte
lehrt:
Punkt 1:
Zu Beginn ist eine kurze Einführung in das zu erörternde
Problem notwendig. Dabei sollte jedoch die Lösungsvorstellung
nicht schon durch die Problemformulierung deutlich werden.
Wenn ein Diskussionsleiter immer alles besser weiß,
braucht er keine Besprechungen abzuhalten.
Punkt 2:
Alle Ursachen für das Problem müssen gefunden
werden. Durch die Frage "Warum ist das so?"
dringt man immer tiefer zu den Ursachen der Problematik
vor, bis man den entscheidenden Punkt gefunden haben.
Jetzt hat man den "kritischen Faktor" gefunden,
zu dem nun im folgenden Schritt Lösungen erarbeiten
werden.
Punkt 3:
Um die passenden Lösungen zu finden, müssen
alle Antworten unwidersprochen gesammelt werden. Nur
so erhält man den Effekt des Brain-Stormings und
verhindert, dass Teilnehmer bei der Besprechung ihre
Motivation verlieren.
Punkt 4:
Gemeinsam wird die beste Lösung bestimmt. Und wirklich
gemeinsam. Jeder Vorschlag sollte geprüft werden.
Mehr als nur hilfreich ist dabei, wenn die Entscheidungskriterien,
die vom Unternehmen vorgegeben sind, bekannt sind.
Punkt 5:
Im letzten Schritt vereinbart man die Umsetzung der
beschlossenen Lösung. Die Frage, die geklärt
sein muss, lautet: Wer macht was bis wann? Es sollte
auf keinen Fall über Personen entschieden werden,
die nicht zu der Besprechung eingeladen worden sind
oder die anderen Abteilungen angehören. Die Devise
lautet: Mit der Mannschaft nur vor der eigenen Tür
kehren!
Und als Chef sollte man die Besprechung möglichst
nicht selbst leiten. Im Zweifelsfall erteilt man sich
das Rederecht häufiger als anderen. Und das ist
unproduktiv.
Nun, keine Sorge, der Chef ist weiterhin wichtig. Aber
die Mitarbeiter und die richtige Kommunikation sind
es auch. Der Chef ist der Kapitän, aber nicht auch
der Matrose und Kombüsenjunge. Ohne eine motivierte,
verantwortungsbewusste und verantwortungstragende Mannschaft
kommt man nicht von der Stelle. Diese Erfahrung haben
schon viele gemacht. Aber Tatsache ist auch, dass man
nicht häufig genug darauf hinweisen kann.
Chemie Technik
Ausgabe 1/2 2004 |