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Aktuelles
Sind Visionen noch zeitgemäß?
Von Ralf Lohe
Angeregt durch das neue Buch von Prof. Fredmund Malik "Gefährliche
Managementwörter - Und warum man sie vermeiden sollte"
wird die Brauchbarkeit von Unternehmensvisionen zunehmend
angezweifelt. Unlängst erschien in der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung ein ganzseitiger Artikel mit dem Titel "Brauchen
Unternehmen noch Visionen?". Was ist an all dem dran?
Es lohnt sich schon eingehend mit den Artikel auseinander
zu setzen. Dann wird deutlich, dass jeder Manager, der erfolgreich
sein will, ohne eine klare Ausrichtung nicht auskommt. Ob
dies dann Unternehmensvision, Leitbild, Strategieentwurf,
unternehmenspolitisches Ziel oder wie in dem Artikel der FAZ
angeregt "leitende Gedanken" genannt wird, ist m.E.
nebensächlich.
Wichtiger in diesem Zusammenhang ist die Glaubwürdigkeit
der gedanklichen Ausrichtung. In diesem Zusammenhang werden
alle Visionen, die von einer Person (in der Regel der Inhaber)
ins Leben gerufen wurden, kritisiert. Diese Auffassung teile
ich uneingeschränkt. Eine solche Vision wird nicht zwangsläufig
von Mitarbeitern akzeptiert, und ihre Wirkung verpufft recht
bald wenn es dem Schöpfer selber an Disziplin und Konsequenz
in der Realisierung mangelt.
Wird aber die Zukunft gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeitet,
so tragen mehrere Menschen im Unternehmen (in kleinen Unternehmen
möglicherweise sogar alle Mitarbeiter) die Verantwortung
für die Formulierungen. Dadurch verstärkt sich die
Glaubwürdigkeit einer Vision, was der Überzeugung
der übrigen Menschen im Unternehmen dienlich ist.
Kritisiert wird zuweilen auch, dass eine Vision zu unbestimmt
sei und damit in ihrer Realisierung auf den Zufall angewiesen
ist. Dies stimmt so nicht. Wer sich mit der Funktionsweise
unseres Gehirns beschäftigt hat, weiß wie wir durch
unser Unterbewusstsein gesteuert werden. Und so tut es auch
eine Vision, die wir über unser Bewusstsein aufnehmen
und dann auf uns wirken lassen. Warum dies im einen Fall funktioniert
und in einem anderen nicht, liegt ausschließlich in
der Emotionalisierung der Vision. Gehen mir die Gedanken um
unsere Zukunft unter die Haut und verursachen sie bei mir
ein Kribbeln im Bauch, dann kann ich sicher sein, dass auch
ein Traumbild sich seiner Realisierung nähert. Fehlt
dieser Kick, dann ist es egal ob wir eine Vision, ein Leitbild
oder leitende Gedanken haben. Sie alle werden in die zweite
Reihe geschoben, weil der Alltag Dringlicheres bietet, dort
dann vergessen und letztendlich nicht realisiert. Aber deshalb
sind Visionen nicht per se schlecht.
Nicht empfehlen kann ich das o.a. Buch von Fredmund Malik.
Während alle seine Publikationen zu Management ausgesprochen
gut sind und aufgrund ihrer Klarheit und Präzision von
uns immer wieder empfohlen werden, mutet sein Buch "Gefährliche
Managementwörter" eher wie ein schlechter Abitursaufsatz
an. Nicht nur am Beispiel des Begriffs der Vision lässt
sich das nachvollziehen. So schreibt er dort: "Der entscheidende
Mangel ist das Fehlen der Unterscheidung von guten und schlechten
Visionen". Diese Aussage ist m.E. so nicht richtig, denn
schließlich gibt es Definitionen von Vision, die den
Begriff klar eingrenzen und somit auch qualitativ beschreiben.
Wir verweisen in diesem Zusammenhang gerne auf die Definition
von Warren Bennis und Burt Nanus hin, die da lautet: "Eine
Vision muss den Blick auf eine realistische, glaubwürdige
und attraktive Zukunft des Unternehmens eröffnen und
einen Zustand beschreiben, der sich in wesentlichen Punkten
vom gegenwärtigen Stand der Dinge unterscheidet."
Wenn das nicht ausreichen sollte, so würde ich von einem
Professor wie Malik allerdings erwarten, dass er selber diesen
weißen Fleck innerhalb der Managementliteratur ausfüllt
und die Kriterien für eine gute Vision beschreibt. Meines
Erachtens recht die Definition von Bennis und Nanus in Verbindung
mit der weiter oben beschriebenen Methode der Visionsentwicklung
aus. Die Praxis bei unseren Kunden bestätigt uns da übrigens
auch.
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